Stewart, Hyder und der Salmon Glacier

Als ich aufwache ist es draußen noch ziemlich dunkel. Ich mach mich kurz fertig, dann gehe ich die paar Schritte zum See. Während Stefan das Frühstück vorbereitet, mache ich ein paar Fotos vom Sonnenaufgang. Es scheint heute ein schöner Tag zu werden. Der Himmel ist nahezu wolkenlos.

Um 8:15Uhr verlassen wir den Kinaskan Lake Campground. Es war wirklich sehr schön hier direkt am See.

Wir fahren weiter auf dem Stewart-Cassier Highway. Zunächst einmal 100 km bis zur Bell 2 Lodge. Hier tanken wir und besuchen den zur Lodge gehörenden Shop. Richtig schick ist hier alles. Auch die Preise. So stöbern wir noch ein wenig durch die teuren Souveniers und fahren dann weiter.

Nach weiteren knapp 100 km sind wir an der Meziadin Junction. Hier treffen wir auf den Highway 37A, der uns nach Steward- und im weiteren Verlauf nach Hyder, Alaksa führen wird.

Wir fahren durch eine grandiose Landschaft. Gletscher und Wasserfälle begleiten uns auf dem etwa 25 km langen Weg bis zum Bear Glacier.

Wir halten an und fotografieren den beeindruckenden Gletscher, der an seinem Ende in den Strohn Lake mündet. 

Entlang des Bear River geht es weiter durch einen malerischen Canyon. Um 12:30 Uhr erreichen wir Stewart.

Stewart liegt umringt von Bergen am Ende des Portland Canal, der natürlichen Grenze zwischen dem Südzipfel Alaskas und Canada.

Wir steuern zunächst das Visitor Center an, welches aber bereits geschlossen hat. Wir lassen den Camper stehen und machen uns zu Fuß auf den Weg durch die kleine Downtown.

Die Häuser sind hübsch und bunt. Davor parken zwei wunderschöne Chevrolets. Ein Bel Air und ein Nomad aus den 50ern. Ich mache noch ein paar Fotos, dann sehe ich ein hübsches, kleines Cafe und bin sofort im „Lunch-Modus“.

Das Silverado Cafe ist wirklich nett. Über der Theke hängt ein großes Schild mit Sandwich Zutaten. Wir stellen uns unsere Sandwiches zusammen. Eine freundliche Frau nimmt unsere Bestellung entgegen und fängt dann dirket an unsere Sandwiches zuzubereiten. Ich frage wo die Toilette ist. Einfach durch die Küche gehen, dann rechts. Ach ja – das Türschloss ist kaputt. Aber ist ja sonst niemand da – also kein Problem.

Stefan macht mir solange einen Kaffee, denn Kaffee und Tee stehen an einer Bar zu Selbstbedienung bereit; ich verstehe nur leider die Technik der Kaffeekanne nicht. Aber – ich habe ja zum Glück meinen Fachmann dabei 🙂

Die Sandwiches schmecken super. Das ganze Kaffee ist an den Wänden mit Unterschriften und kleinen Texten von Gästen beschriftet. Wir bekommen einen Stift und dürfen uns ebenfalls verewigen, sofern wir eine freie Stelle finden. 

Wir finden eine am Fensterrahmen.

Nach dem Essen besuchen wir noch den hiesigen Supermarkt. Es gibt Hyder-T-Shirts für $5. Kaufen wir natürlich. 

Jetzt soll es aber endlich weitergehen. Ziel: Salmon Glacier. Um dorthin zu gelangen müssen wir zuerst die Grenze überqueren. 6 km von Downtown Stewart entfernt ist die Grenze nach Alaska. Die Grenze in Richtung USA wird nicht kontrolliert. Warum auch – wir sind in einer Sackgasse und müssen Alaska auf demselben Weg wieder verlassen. Gleich nach der Grenze befindet man sich in „Downtown Hyder“. Quer über der Strasse ist ein Transparent mit der Aufschrift „Welcome in Hyder Alaska“ gespannt. Ud dann hört auch schon die geteerte Strasse auf. Das Wildwestliche Hyder, das sich selbst „the friendliest Ghost-Town in Alaska“, ist einfach klasse. Die Zeit ist hier irgendwo um 1900 (oder früher) stehen geblieben. Nicht umsonst nennt sie sich selbst Geisterstadt.

Obwohl die Grenze eigentlich bedeutungslos ist, teilt sie doch offiziell zwei Staaten. Stewart in Kanada und Hyder in Alaska, in beiden Orten gelten unterschiedliche Währungen, Regeln und Gesetze. Ja sogar in die Zeitzonen sind nicht die selben. das betrifft sogar die Zeitzonen und die Währung. In Hyder gilt Alaska Time, theoretisch eine Stunde Zeitgewinn gegenüber Stewart.

Wir fahren durch „Downtown“ Hyder. Nach weiteren 4 km sind wir am Fish Creek. Hier schwimmen im Sommer tausende von Lachsen über den Portland Canal zum Laichen den Fluss hinauf.  Es gibt eine hölzerne Aussichtsplattform, von der aus man (wenn man Glück hat) Grizzly- und Schwarzbären beim Lachsfischen beobachten kann.

Wir bleiben ungefähr eine halbe Stunde auf dem Boardwalk und fahren dann weiter. Außer ein paar wirklich riesigen Lachsen und verschiedenen Wasservögeln haben wir keine Tiere gesehen. Wir wollen am Rückweg noch einmal hier halten, wenn die Bären (hoffentlich) zum Dinner kommen.

Es geht weiter auf der Salmon Glacier Road. Die Salmon Glacier Road diente ursprünglich der Versorgung der Minen in den Tälern des Salmon River und des Cascade River sowie des oberen Bowser River.  Heute wird die Straße hauptsächlich von Touristen für die Fahrt zum Gletscher benutzt. Es gibt sogar eine Broschüre, die einen auf eine „Self-Guided-Auto-Tour mit 14 Viewing Ponits hinauf zum Gletscher führt.

Folgende Stopps sind in der Broschüre beschrieben.

Stop 01  Stewart, British Columbia
Stop 02  Stewart/Hyder Border
Stop 03  Hyder, Alaska
Stop 04  Tongas National Forest
Stop 05  Moose Pond
Stop 06  Fish Creek Wildlife Viewing Area
Stop 07  Titan Trail
Stop 08  Riverside Mile
Stop 09  Nine Mile
Stop 10 Premier Border Crossing (Silver Heights)
Stop 11  Indian Miles Viewpoint
Stop 12  Premier Mines Viewpoint
Stop 13  Toe Of Salmon Glacier
Stop 14  Summit Viewpoint

Nachdem alle verlassenen Minen samt der einst gigantischen Granduc Copper Mine passiert sind, bleibt nur der großartige Ausblick auf die monumentalen Berge und Gletscher der nördlichen Coast Mountains. Die Fahrt auf der äußerst rumpeligen Schlaglochpiste hat sich absolut gelohnt.

Auf einer Höhe von rund 1300 Meter sehen wir direkt auf den gewaltigen Salmon Glacier, den fünftgrößten Gletscher Nordamerikas, welcher im Tal in den Salmon River- und von dort weiter in den Portland Canal fließt. 

Stefan fliegt ein paar halsbrecherische Manöver mit unserer Drohne. Wir genießen die Aussicht und machen unzählige Fotos bevor wir uns auf den Rückweg nach Stewart machen.

Während wir auf dem Weg nach Oben an keinem Viewing Point angehalten haben, holen wir das nun auf dem Rückweg nach. Insbesondere an der Kanada/USA Grenze hatten wir unseren Spaß 🙂

Die Salmon Glacier Road ist zum Teil in wirklich schlechtem Zustand. So schwanken wir über zahlreiche Löcher im Straßenbelag. Mal sehen ob nachher im „Haus“ noch alles auf seinem Platz ist.

Es war bereits 17:30 Uhr als wir wieder am Fish Creek sind. Es waren schon einige Fotografen mit riesigen Objektiven vor Ort. Wir suchten uns ein freies Plätzen auf dem Steg und warteten. 

Wir sahen keine Bären, wohl aber einen Adler, der sich einen riesigen Lachs aus dem Wasser zog. Der riesige Fisch hatte keine Chance gegen den Raubvogel. Als der Lachs dann aufgab, kam ein anderer Adler und schnappte dem Fänger des Lachses die Beute einfach weg. Wie gemein!

Wir warteten weiter. Der Fischcreek ist schon sehr schön. Hohe Bäume, dazwischen der breite Fluss und ihm Hintergrund die hohen Berge. Auf dem Wasser waren leichte Nebelschwaden. 

Irgendwie sah das Ganze ein wenig inszeniert aus. Stefan erinnerte das ganze an eine Szene aus Jurrasic Park und meinte irgendwann: Wenn da nun nicht endlich jemand eine Ziege reinwirft, kommt da kein Tier…. Ach Stefan!

Es wurde langsam dunkel und die Fotografen machten sich bereits auf den Rückweg, als ein Mann mich auf einen Schwarzbär aufmerksam machte. Genau auf der anderen Seite des Stegs. Am Ende haben wir 3 Schwarzbären gesehen. Juhuuuuuu – nun hat es doch noch geklappt mit dem Bär. Ich freu mich riesig.

Jetzt benötigen wir noch einen Platz für die Nacht. Wir haben am Ortseingang von Stewart das Schild eines Campgrounds gesehen. Den wollen wir aufsuchen. 

Aber zuerst müssen wir noch über die Grenze nach Kanada. Wie schon erwähnt – man kommt zwar ohne Kontrolle in die USA- aber die Kanadier haben hier sehr wohl einen Grenzposten.

Wir lachen über das Schild, dass entweder am Checkpount Charlie geklaut wurde oder eine perfekte Kopie des Originals ist. Und so verlassen wir also den „Eastern Sektor“ und fahren wieder nach Kanada.

Wir halten an der Grenze und eine junge Grenzbeamtin kommt aus dem Office. Sie schaut einmal um unser Fahrzeug und fragt uns ob wir was in die USA einführen. Was denkt sie wohl was wir dabeihaben, dass wir vorher noch nicht hatten?? Der einzige Weg nach Hyder ist genau hier. Wo in Hyder hätten wir etwas beschaffen können, was wir nun angeben müssten? Na egal. Ich beantworte brav alle ihre Fragen, dann dürfen wir weiterfahren.

Wir haben den Bear River Campground schnell gefunden. Die Betreiber waren außerordentlich nett. Es gab Duschen, WLAN und zwei Firepits. Wir hatten noch Fleisch und Holz – also stand einem DIY Dinner nichts im Wege.

Während Stefan den Camper an Strom und Wasser anschloss, kümmerte ich mich um das Feuer. Ich hatte gerade mein Holz im Grill aufgeschichtet, als ein Pickup am anderen Grill anhielt. Ein junger Mann stieg aus und machte sich ebenfalls daran ein Feuer in Gang zu bringen. Er begrüßte mich mit „Hey we are Fire-Neighbours“, und da ich ja ein guter Nachbar bin, spendierte ich ihm einen Grillanzünder.

Stefan kam dazu und während unser Steak grillte haben wir uns mit Robert ein wenig unterhalten.

Zum Essen gingen wir in den Camper. Das Steak schmeckte hervorragend. Stefan geht anschließend duschen, ich besuchte Robert noch einmal. Er erzählte uns, dass er hier zum Arbeiten ist. Sein Camp befindet sich auf der anderen Straßenseite und ist ein „Dry-Camp“, also Alkohol ist dort verboten. Die Betreiber des Campgrounds haben ihm erlaubt die Abende hier zu verbringen. So machte er sich abends ein Campfire und trinkt das ein- oder andere Bier. 

Wir tranken ein Bier zusammen, dann gesellte sich Stefan wieder zu uns. Es war ein toller Abend zu Dritt – wir hatten wirklich viel Spaß. Wir redeten über seine Arbeit, über deutsche Touristen in Kanada, und ein bisschen über Politik. Robert ging dann noch einmal zu seinem Pickup und holte zwei Flaschen Whisky heraus. Er hat sie auf dem Airport bei der Abreise zum Arbeiten gekauft, im Falle er gute Freunde trifft, mit denen er den Whisky teilen möchte. Heute wäre so ein Abend meint Robert. Und so trinken wir zusammen sehr leckeren Whisky.

Das heute war mal ein perfekter Tag. Tolles Wetter, beeindruckende Landschaften, drei Bären gesehen und einen tollen Abend mit unserem „Campfire-Neighbour“ Robert verbracht. Besser geht es kaum.

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