Ash Wednesday

Am Aschermittwoch ist alles vorbei….

Wir müssen früh raus heute. Wir haben eine Tour auf der Evergreen Plantation gebucht, die um 9:15 Uhr beginnt. Die Fahrt dorthin dauert etwa 40 Minuten. Unser Mustang steht zudem noch am anderen Ende des French Quarters – und Frühstück brauchen wir schließlich auch noch.

Um 6:30 Uhr sind wir bereits auf der Straße – und natürlich nehmen wir die Bourbon Street zu unserem Parkplatz. Ach du liebe Zeit – hier sieht es aus. Die Straße ist voll mit Müll. Überall sind Plastikbecher, Ketten – Müll soweit das Auge reicht. Aber die Stadtreinigung ist schon da. Mit Containern, Baggern und Hochdruckreinigern. Mit schwerem Gerät wird dem Müll zu Leibe gerückt.

Wir holen unser Auto und fahren zum Ruby Slipper Café etwas ausserhalb von Downtown in der Board Street – so sind wir schon in der korrekten Richtung für die Weiterfahrt.

Das Restaurant ist schnell gefunden. Wir bekommen auch gleich einen Platz zugewiesen und haben nun die Qual der Wahl – sie Speisen Auswahl ist riesig.

Ich entscheide mich letztendlich für einen „Pancake Flight“. Ist wie ein Beer-Flight aber eben mit Pancakes. Stefan bestellt sich ein „Spanish Omelet“. Nach kurzer Wartezeit bekomme ich drei Pancakes: einen Cinnamon Swirl, eine Bacon Praline & den Pancake of the Day. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern wie der Pancake Of The Day hieß – er war jedenfalls mit Schokolade gefüllt und mit Früchten garniert.

Der Cinnamon Swirl war mit Zimt und Zucker und hatte eine Frischkäsefüllung. Total crazy war jedoch die Bacon Praline.  Ein süßer Pancake, mit Speck-Würfeln gefüllt und mit reichlich Schokosauce obendrauf. Das Ganze dann noch garniert mit einer Scheibe Bacon. Kann man durchaus essen – aber mein Leibgericht wird es wohl nicht.

Um 8 Uhr fahren wir wieder los; kurz vor 9 Uhr erreichten wir unser Ziel, die Evergreen Plantation.  Wir gehen in das kleine Visitor Center der Plantage und melden uns an. Wir haben noch etwas Zeit bis wir mit dem Bus abgeholt werden. 

Während wir warten, dürfen wir uns hier die Informationen über die Plantage ansehen. Es gibt reichlich Dokumente und Bildmaterial – man erfährt in diesem kleinen Museum schon ein paar interessante Fakten über die Plantage und deren Entstehung.

Warum haben wir uns ausgerechnet diese recht unspektakuläre Plantage ausgesucht?

Auf den meisten Plantagen wird Touristen romantischer Südstaaten-Kitsch gezeigt. Weiße Säulen und prächtige Alleen. Das Klischee der Südstaatenherrlichkeit wird auf den meisten Plantagen mit Tour-Guides in historischen Kostümen zelebriert. Nicht so auf der Evergreen Plantation. Hier steht das Leben der Skalven im Mittelpunkt.

Mit insgesamt 37 Gebäuden – davon acht aus der Antebellumzeit – macht sie zu einer der intaktesten Plantagen im Süden der USA. Zu den Gebäuden, die im National Register of Historic Places geführt werden, zählen auch 22 in ihrer ursprünglichen Anordnung erhaltene Sklavenhütten.  Die Evergreen Plantation wird nach wie vor als Zuckerplantage betrieben. Das klingt alles sehr interessant dachten wir uns.

Wir werden pünktlich mit dem Bus abgeholt. Außer uns sind noch 2 weitere Besucher mit im Bus. Eine sehr übersichtliche Reisegruppe also.

Unsere Tourguides-Dame stellt sich uns als „Robin“ vor. Sie erzählte die spannende Geschichte der Plantage, der Bewohner und deren Sklaven. Über den Alltag auf einer Plantage und das Leben in der Zeit vor dem Bürgerkrieg. Das Ganze ist nicht nur historisch sehr interessant, sondern natürlich auch erschreckend. Die noch sehr gut erhaltenen Sklavenunterkünfte sind ebenso zu sehen wie das Herrenhaus an sich, wenn auch die Möbel nicht mehr original sind. 

Am meisten aber beeindrucken uns die Sklaven Hütten, sowie die sehr plastischen Schilderungen Robins von den damaligen Arbeitsbedingungen, wie Sklaven gehandelt- und wie deren Wert bestimmt wurde. 

Verschiedene Infotafeln bei den Hütten zeigten sogar Inventarlisten des Besitzes dort sind Immobilen- als auch die Sklaven mit ihren jeweiligen Fähigkeiten aufgelistet. Unfassbar, wie das hier früher ablief.

Die Plantage selbst, mit ihren insgesamt drei Baum Alleen ist wunderschön. Vor einigen Jahren haben wir die Allee der berühmten Oak Alley Plantage fotografiert – aber das hier ist so viel schöner.

Nach 1,5 Stunden bringt uns der Bus wieder an unseren Ausgangspunkt. Wir wollen nicht direkt zurück nach New Orleans fahren, sondern noch zum Jean Lafitte National Historical Park and Preserve (wer denkt sich denn solche Namen aus?). Es handelt sich um einen kleinen Nationalpark unweit von New Orleans. Wir hoffen dort Alligatoren zu sehen. 

Nach kurzer Fahrt kommen wir an und ich frag im kleinen Visitor Center welcher Weg am meisten Erfolg verspricht um Wildlife vor die Kamera zum bekommen.  Der freundliche Ranger gab mir eine Karte und zeigte mir einen entsprechenden Wanderweg. So ausgerüstet, machten wir uns auf die Suche nach Alligatoren.

Die Landschaft ist unglaublich schön. Man läuft über Holzblanken oder über Kieswege durch den Sumpf, beziehungsweise durch den Wald. 

Um den Sumpf besser fotografieren zu können machte ich nur einen kleinen Schritt zur Seite – runter von den Brettern – und zack steckte ich bis zum Knie im Matsch. Oh je – damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, denn der Boden sah eigentlich nach festgetrampelter Erde aus. Hätt mir man doch mal sagen können, dass wir hier im Sumpf sind. Ja also das war wirklich dumm von mir. Vor allem meine Schuhe waren echt hin. Grundsätzlich nicht schlimm, da ich sie eh gegen Neue eintauschen wollte – aber eben dann, wenn ich Ersatz habe. So zog ich einfach die ruinierten Schuhe aus und ging in Socken zurück zum Parkplatz.

Zum Glück hatte Stefan ein zweites Paar Schuhe im Auto. Ich warf meine Schuhe und Socken direkt in den Mülleimer und zog seine an. Nicht ganz meine Größe – sah auch ziemlich albern aus – aber besser, als meine Matsch-Treter. 

Meine Hose war bis zu den Knien matschig – damit musste ich nun eben leben. Somit war nun auch klar, wo unser nächster Stopp sein wird: ROSS – Dress for Less. Laut unserem Navi 15 Minuten von hier. Perfekt.

Der ROSS war schnell gefunden. Ich kaufte neue Socken, eine Hose und Schuhe und musste mir dann von Stefan anhören, dass ich mit allen Tricks arbeiten würde um an neue Sachen zu kommen.

Nebenan, bei TARGET auf der Kundentoilette habe ich dann die neuen Sachen gleich angezogen.  Neu eingekleidet ging es dann zurück nach New Orleans.

Wir hatten gesehen, dass um den St. Louis Cemetery No 1 auch kostenlose Parkplätze waren. Wir wollten den berühmten Friedhof sowieso anschauen, also würde das perfekt passen. 

Von dort aus ist es gerade mal eine halbe Meile zum Hotel – so könnten wir das Auto dort einfach stehen lassen und morgen früh dann holen. 

Wir hatten Glück mit dem Parkplatz; nicht aber mit dem Friedhof, denn der darf nur noch im Rahmen einer Tour besichtigt werden. Darauf hatten wir keine Lust, denn die Tour hatten wir schon vor einigen Jahren gemacht. Dann besuchen wir eben einen anderen der zahlreichen Friedhöfe in der Stadt.

Das Auto lassen wir trotzdem stehen und gehen in Richtung Bourbon Street. Die Stadtreinigung hat ganze Arbeit geleistet. Es sieht inzwischen so aus als wäre in den vergangenen Tagen nichts gewesen.  Alles ist blitzblank sauber und die Pferdekutschen sind wieder unterwegs. Die kitschigen Cinderella-Kutschen gehören einfach zum Stadtbild von New Orleans. In den letzten Tagen waren sie wegen der Feierlichkeiten nicht zu sehen.

Wir kommen am Marie Laveaus Voodoo Shop vorbei. Der Shop ist direkt in der Bourbon Street. Allerdings war es dort in den vergangenen Tagen so überfüllt, dass ich den Besuch auf heute verschoben habe. 

Marie Laveau die wohl bekannteste Voodoo Priesterin in New Orleans hat von 1794 bis 1881 gelebt. Es gibt zahlreiche Legenden um Ihre Person. Der Shop ist natürlich eine klassische Tourist-Trap; ist mir aber egal. Ich kaufe mir eine Kaffeetasse und ein paar Postkarten.

Wir gehen Richtung Jackson Square. Heute nachdem die Mardi Gras Festivitäten vorbei sind und das „normale“ Leben in New Orleans weitergeht zeigt sich die Stadt in einem komplett anderen Bild. 

Das bunte Treiben lenkt nicht mehr ab von den wunderbaren Häusern mit ihren blumenbehangenen Balkonen und Patios an denen sich man gar nicht sattsehen kann. An jeder Straßenecke spielt Musiker. Ein Städtetrip nach New Orleans ist nicht vergleichbar mit einem Besuch anderer Metropolen. Es geht hier nicht darum, eine Reihe von Sehenswürdigkeiten abzuklappern. 

Hier genießt man einfach den Flair, die Musik und die fantastische Creole- und Cajun Küche. Apropos Küche. Ich habe Hunger. Eigentlich wollten wir morgen auf dem Weg zurück nach Texas noch bei der Tabasco Fabrik vorbeifahren – nicht wegen einer Factory Tour (die kennen wir schon), sondern um dort im Shop Soßen zu kaufen, die es bei uns nicht gibt. 

Nun stehen wir direkt am Jackson Square vor einer Filiale des Stores. Wir praktisch. Stefan wartet draußen, währen ich drinnen die Soßen probiere. Für mich ist schnell eine gefunden. Fehlt noch ein Souvenir für den Schwiegersohn. Der Verkäufer gibt mir einen Tipp. 

Wenn ich was ganz Besonderes suche, soll ich dich die „Tabasco Scorpion Ultra Hot Sauce“ nehmen. Ich darf die Soße probieren. Ich tauche einen kleinen Salzstängel in die Soße und tupfe diesen nur ganz kurz auf die Zungenspitze. Ungefähr 15 Minuten später hörte das Brennen auf. Genau das richtige Geschenk. Die nehm ich. Die Tabasco Scorpion ist die aktuell schärfste Sauce der Marke Tabasco und wird aus der Trinidad Moruga Scorpion Chili Schoten hergestellt. Sie ist etwa 10x so scharf wie die „normale“ Tabasco Soße.

Hatte ich nicht Hunger?! Genau! Das kleine Restaurant Coops Place wurde uns bei unserem letzten Besuch hier empfohlen. Wir hatten es noch in guter Erinnerung und wollen dort versuchen einen Platz zu bekommen. Die Warteschlange ist dort nämlich extrem lange.

Das Coops Place ist in der Decatur Street, bevor wir zum Restaurant gehen, machen wir einen schnellen T-Shirt-Shopping Stopp bei Voodoo-Harley Davidson.

Es ist kurz nach 15 Uhr. Wieder sind wir zu spät für Lunch und zu früh für Dinner in einem Restaurant. Der Vorteil: Wir bekommen sofort einen Tisch zugewiesen. Läuft super!

Stefan bestellt sich Spaghetti und ich nehme das Cajun Chicken mit Jambalaya. Es schmeckte wirklich ausgezeichnet. 

Als wir das Restaurant verlassen, sehen wir, dass wir einfach nur Glück hatten und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, denn nun gab es bereits eine lange Warteschlange. 

Wir waren in der Nähe des French Market und bummelten nochmals durch die Hallen. Dann gingen wir durch die Royal Street zurück bis zum Hotel. 

Die Royal Street ist eine der ältesten Straßen der Stadt aus dem frühen 18. Jahrhundert und ist heute für ihre Antiquitätengeschäfte, Kunstgalerien und Hotels bekannt. Außerdem sind hier die wunderschönsten Gebäude der Stadt. Es ist inzwischen 18 Uhr und wir überlegen uns was wir noch machen sollen.

Stefan meinte, dass wir doch ein Bier trinken könnten. Er hatte noch eine Brauerei in seinen POIs abgespeichert: Die Brieux Carre Brewing Company. Ja prima. Allerdings befindet sich die Brauerei genau auf der anderen Seite des French Quarters und wir haben schon Plattfüße vom vielen Laufen heute.

Wir wollen einfach das Street Car nehmen, welches seit heute auch wieder unterwegs ist. Davor gehen wir noch schnell zum Mississippi Ufer und machen ein paar Bilder vom dort liegenden Schaufelraddampfer – der Creole Queen

Die Sonne steht schon tie am Himmel und taucht die Stadt in ein goldenes Licht. Es ist einfach so schön hier in New Orleans.

Viel Fotos später machen wir uns auf den Weg zur Bahn. Wir müssen nicht sehr lange warten, da taucht auch schon eine der historischen Street Cars auf. Wir lösen beim Schaffner unser Tickets und nehmen Platz.

Die Fahrt bis zur Endstation, wo wir aussteigen müssen dauert ungefähr 20 Minuten. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zu der kleinen Brauerei.

Es ist inzwischen dunkel und wir gehen auf der  Elysian Fields Ave ein paar Schritte nach Norden und biegen dann in die Decatur Street ab nach 250 Metern erreichen wir die kleine Brauerei. Außer uns ist nur ein weiter Gast da, die Brauerei hat nicht gerade ein gemütliches Flair. Aber egal – Hauptsache das Bier schmeckt. Wir bestellen uns einen Beer Flight.

Der junge Mann hinter den Tresen scheint neu zu sein, und eine grünhaarige Frau kommt ihm zur Hilfe. Sie stellte sich als Geschäftsführerin vor. Ich bestelle uns einen Flight: „Please no Stouts or very dark beers, otherwise it’s your decision“.

Und so bekamen wir unseren Flight mit diesen Bieren – die Namen allesamt sehr fantasievoll:

I Am a Donut

Tiny Silver Spectre

Trust Me, it’s Worth The Parking

Falcon Warrior

Come Drink Your Car Away

Frenchmen

Die grün-haarige Frau verspricht: „These Beers are far beyond fantastic“

OK – das Bier war gut – aber „far beyond fantastic“ – so weit würde ich dann nicht gehen. Aber der Satz gefällt mir. Ich werde ihn mir merken.

Nach einer knappen Stunde machen wir uns auf den Rückweg – wieder mit dem Street Car.  Der Schaffner steht vor seinem Street Car und begrüßt uns freundlich.  Kurze Zeit später fährt er los. Ausser uns sind noch zwei junge Frauen eingestiegen. Und da ist sie wieder – diese unglaubliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die ich bei den Amerikanern so liebe: die beiden Frauen fragen den Zugführer an welcher Haltestelle sie aussteigen müssten, um zu einer bestimmten Adresse zu gelangen. „No Problem“ sagte er freundlich.

Wir ruhen eine Weile – dann stoppte er seinen Wagen. Nicht etwa an einer offiziellen Haltestelle, sondern irgendwo dazwischen. Er sagte und den Frauen, dass sie nun aussteigen könnten. Er stieg dann so gar mit den beiden kurz aus und erklärte ihnen den Weg zum Ziel. Wow – das ist nett.

Und bei uns zu Hause: Wenn ein Busfahrer sieht, dass man schnellen Schrittes zum Bus geht, weil man ein wenig spät dran ist. dann machte er die Türen schonmal gerne vor der Nase zu und fährt ab. Ist mir nicht nur einmal passiert.

An der Canal Street Station steigen wir aus und gehen den kurzen Weg zu unserem Hotel. Auch wenn wir eben vom Biertrinken kommen – wir lassen es uns nicht nehmen, hier an der Bar noch eines der leckeren Biere zu trinken. Für mich natürlich wieder ein Purple Haze. Ach ja – und für den kleinen Hunger gibt es noch einen Saint Salad.

Schon wieder Saint Salad? Ja! Dieser typisch amerikanische Salat war besonders in den 50ern und 60ern im Trend. Eigentlich heißt er „Wedge Salad“.

Ein Eisbergsalat wird hierfür in Keile (Wedges) geschnitten und mit einem kräftigen Blue-Cheese-Dressing übergossen. Dann werden gebratene Speckwürfel, Blauschimmel Käse darüber gestreut. Das ganze wird dann hier zum Beispiel mit Tomaten und Zwiebeln angerichtet. Schmeckt einfach super!

Das ist unsere letzte Nacht in New Orleans. Morgen geht es wieder nach Texas. Ich vermisse meine Lieblings-Stadt jetzt schon. Meine Begeisterung für diese ganz besondere Stadt ist ungebrochen. Wir müssen da unbedingt wieder hin.

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