Lundi Gras

Fasching-Montag in New Orleans

Um 6:00 Uhr werde ich wach und genieße den schönen Sonnenaufgang – der Blick aus unserem Hotelfenster ist fantastisch.

Wir machen uns fertig und gehen zum Fleur De Lis Café frühstücken. Das kleine Café ist gerade mal 300 Meter vom Hotel entfernt und sieht nett aus. Stefan bestellt sich Pancakes. Das wollte ich ursprünglich auch – aber dann entschied ich mich für ein Croissant Sandwich.

So gestärkt gingen wir zurück zum Hotel und checkten unser Auto aus. Wir wollen uns nach einem kostenlosen oder zumindest günstigeren Parkplatz umsehen.  Meine Idee war, das Auto in der Royal Street zu parken. Dort hatten wir ein paar Jahr zuvor einmal in einem B&B übernachtet ich erinnerte mich, dass dort die Parkplätze an der Straße kostenlos waren – und zum French Quarter waren es gerade mal 10 Minuten zu Fuß. Soweit der Plan.

Wir fanden an der Ecke Royal-/Spain Street eine entsprechende Lücke und stellten den Mustang ab. Dann machten wir uns wieder auf den Rückeg. 

Zum French Quarter waren es von hier aus tatsächlich nur 10 Minuten – allerdings war unser Hotel genau am anderen Ende des Viertels; insgesamt waren es somit vom Auto zum Hotel ungefähr zwei Kilometer was in 30 Minuten bequem zu schaffen war. Besser als $40/Nacht zu bezahlen. 

Wir wollten aber nicht nur bis zum Hotel-, sondern weiter bis in den Garden District. Wegen der Mardi Gras Festivitäten fuhren die Streetcars nicht, also beschlossen wir die Strecke zu laufen.

Wir nahmen zuerst die Royal Street und bogen dann in die Frenchmen Street ein. Die Frenchmen Street ist das Herz und die Seele für Live-Musik in New Orleans. Im drei Blocks umfassenden Bereich im Viertel Faubourg Marigny sind einige der beliebtesten Live-Clubs der Stadt zu finden (Blue Nile, Snaug Harbour, Spotted Cat). Hier kommen nicht nur Touristen, sondern vor allem die Einheimischen hin, um mit die beste Musik der Stadt zu genießen.

In jedem Club spielen mindestens vier Bands pro Abend; in einigen wie dem Spotted Cat gibt es sogar schon nachmittags Programm: Soul, Cajun, Blues oder Funk.  Und Jazz, natürlich. Der wurde ja nur ein paar hundert Meter von hier, am Jackson Square erfunden.

Wir erreichen die Decatur Street, die parallel zum Mississippi Ufer verläuft. Es gibt hier Geschäfte und eine Menge Restaurants.  Die Decatur Street ist neben der Bourbon- Royal- und Frenchmen Street eine der bekanntesten Straßen im French Quarter. Immerhin führt sie am Café Du Monde und am Jackson Square vorbei.

Wir setzen unseren Spaziergang fort und erreichten den Washington Artillery Park. Von den Treppen hat man die perfekte Aussicht auf den Jackson Square und die St. Louis Cathedral. 

Die St. Louis Cathedral ist eine der ältesten Kathedralen in den Vereinigten Staaten und ist im klassizistischen Stil erbaut. Wir drehen uns um 180° und haben nun einen tollen Blick auf den Mississippi und die Crescent City Connection Bridge. 

Eine halbe Meile später sind wir an der Canal Street, welche das westliche Ende des Frech Quarters begrenzt. Wir gehen nach rechts und biegen dann in die St. Charles Street ab. 

Wir wollen schon einmal schauen, wo der Platz ist von wo aus wir morgen die Parade ansehen wollen. Wir haben uns Karten für eine Tribünen reserviert; da die sich auf der St. Charles Street befinden, liegt das praktisch auf dem Weg.

Die Tribünen in der Nähe des Lafayette Square sind unübersehbar. Es scheint ein guter Platz zu sein. Vor allem können wir auch mal eine Zeit lang sitzen. Ich denke, die $63 pro Person für diesen kleinen Luxus haben sich gelohnt.

Wir setzten unseren Weg zum Garden District fort. Es sind noch ungefähr 2 Meilen bis zur Washington Street. Von dort aus machen wir uns auf den Weg durch den hübschen Garden District.

Der Garden District der früher aus Plantagen bestand, gilt als einer der schönsten und grünsten Stadtteile von New Orleans.  Als die alten Plantagen unterteilt wurden, entstanden prächtige Antebellum-Villen auf großen Parzellen umgeben von paradiesischen Gärten. So erhielt der Garden District seinen Namen.

Damit uns auch keines der schönen Häuser entgeht, haben wir uns im Internet bereits eine Route mit der Beschreibung der Häuser heruntergeladen. Unser Spaziergang führt uns weiter ins Herz des Garden Districts, in die Prytania Street und First Street, in denen sich typische Südstaatenvillen im Greek-Revival-Style mit hübsch bepflanzten Gärten aneinanderreihen – eine schöner als die andere. 

Einige Prominente wie Sandra Bullock, John Goodman, Nicolas Cage besitzen (oder besaßen hier) Häuser.

Wir gehen vorbei am Lafayette Cemetery No1, dem ältesten Friedhof der Stadt. Leider hat er während der Mardi Gras Tage geschlossen.  Aber wenigstens ein paar Fotos durch den Zaun werden noch schnell gemacht.

Warum wollen wir ausgerechnet einen Friedhof besuchen, mag sich so mancher fragen. Gibt es in New Orleans nicht Schöneres zu sehen?

Was für die einen die letzte Ruhestätte ist, ist für die anderen eine Touristen-Attraktion. Hunderte Besucher strömen täglich über die Friedhöfe in New Orleans.  Die einzelnen Mausoleen sind wie kleine Häuser entlang verschlungener, zum Teil fast labyrinthartiger Wege aufgereiht. Einige sind von schwarzen Eisenzäunen umgeben, als bräuchten die Verstorbenen eigene Vorgärten.  Da wir heute als Zaungäste nur wenig sehen können, beschließen wir am Mittwoch noch einmal hier her zu kommen und gehen weiter.

In der Magazine Street ist das Restaurant Tracey’s vom dem wir gelesen hatten, dass es das Lieblingsrestaurant der Einheimischen ist. Klingt lecker! Wir betreten das Restaurant und verschaffen uns einen schnellen Überblick. Auf der rechten Seite gibt es eine Bar, links werden an einer Theke die Essens-Bestellungen entgegen genommen. 

Selbstbedienung also. Stefan setzt sich schonmal, ich reihe mich in die Schlange der Wartenden ein, um meine Bestellung aufzugeben. Ein älterer Mann, der mir schon zuvor aufgefallen ist, weil er Getränke an die Tische brachte kam an den Tisch zu Stefan und frage irgendwas; Stefan nahm an er fragte was er trinken möchte. „Two Coke please“. Der Alte sagte irgendwas – Stefan sah fragend zu mir hinüber. 

Ich kam kurz zur Hilfe – aber auch ich konnte kein Wort von dem verstehen, was der Mann sagte. Er hatte nicht mehr allzuviele Zähne im Mund und nuschelte stark. „Two Coke please“ wiederholte ich noch einmal und ging zurück in die Schlange. Eine Amerikanerin hinter mit fragte mich, ob sie helfen könne.

Ich sagte ihr (natürlich auf englisch) dass ich nicht verstehen konnte, was er sagte. Der Begleiter der Dame – ein jüngerer Herr – meinte „he asked for water“. Ach je – ich habe ihn einfach nicht verstanden. Ich sah zu Stefan hinüber und sah, dass er inzwischen einen Becher Wasser geliefert bekam 🙂

Die Dame hinter mir meinte (auf englisch), dass es wirklich schwierig sein muss, wenn man in einem Land ist, dessen Sprache man nicht verstehen kann. Ich erklärte ihr (auf englisch), dass ich grundsätzlich schon die Sprache verstehe, dass ich nur IHN nicht verstanden habe. Der junge Mann meinte darauf hin: „Das Problem ist, dass Du wahrscheinlich besser englisch sprichst, als viele Einheimische hier – das passt dann halt nicht zusammen“ und lachte. (Die ganze Unterhaltung war in englisch!)

Die Dame fragte mich: „Where are you from?“ „Germany“. „It must be hard, don’t understand the language here.“ Aber wir unterhalten uns doch in ENGLISCH. „Unfortunately I don’t know what the translation of water is in German. Ähh?! Was?! Na egal. Inzwischen bin ich an der Bestelltheke angekommen. „Your order please“ Von hinten kam: „Sorry she don’t understand englisch“. Ich ignorierte das einfach und bestellte „Twelve Buffalo Wings with fries“ „Which dressing: ranch or Blue cheese?“ Von hinten kam: „I think ranch dressing will be OK“

Na jetzt reicht es aber. Die Dame scheint wohl im „helfen-Modus“ zu sein und war dabei nicht mehr aufzuhalten. Ich korrigierte ihre Bestellung in „blue cheese“ und der Mann hinter den Tresen lachte sich fast kaputt.

Ich ging mit den Hühnchen-Flügeln zu Stefan, stellte sie ab und ging zur Getränke Theke. Nun, da wir wissen, dass der alte Mann lediglich Wasser zu Tisch brachte, wollte ich uns schnell noch eine Cola an der Getränke-Theke holen.

Es war noch ein Gast vor mir an der Reihe, der einen Kaffee bestellte und dafür $1,50 bezahlen musste. Er reichte dem Bartender seine Kreditkarte und bezahlte.

Dann bestellte ich „Two Coke please“

„Four Dollar „

Ich reichte meine Kreditkarte. Darauf meinte der Bar-Mann, dass für so kleine Beträge keine Kreditkarten-Zahlung möglich ist. „But don’t worry – the Coke is free“ Und ab diesem Zeitpunkt war ich dann komplett verwirrt. $1,50 für nen Kaffee wird kassiert; $4 für zwei Cola nicht.

Die Chicken Wings waren fantastisch, ansonsten war unser Besuch im Tracey’s im Nachhinein echt witzig.

Nach dem Essen gingen wir weiter durch das hübsche Viertel, dann machten wir uns langsam auf den Rückweg ins French Quarter.  Wir hatten Hoffnung vielleicht einen Bus zu erwischen, hatten aber kein Glück. Also gingen wir die ganzen fünf Kilometer wieder zurück.

Um 15:30 Uhr waren wir wieder im French Quarter. Zeit für Nachtisch im Café Du Monde. Wir nahmen das Übliche (weil einziges) Menü: coffee und beignets. 

Was nun? Wir überlegen, was wir unternehmen sollen. Ach gehen wir mal wieder durch die Bourbon Street.  Heute am Lundi Gras (bei uns würde wir Rosenmontag sagen) ist schon deutlich mehr los als gestern. Die Bourbon Street quillt fast über.

Auf den Balkonen stehen eifrige Gäste und werfen Perlenketten unter viel Gejohle auf die Menschenmenge.  So manche Dame hebt ihr T-Shirt, nur um an eine dieser Ketten zu kommen. Wohlgemerkt es handelt sich um bunte Plastikketten und wir sind im prüden Amerika.

Livemusik dringt aus allen Kneipen – das Motto ist hier aber eher Lautstärke als musikalische Qualität, das macht dem feiernden Volk aber nichts aus. 

Wir kommen an Lafitte’s Blacksmith Shop vorbei – auch hier dröhnt die Musik und zwei T-Rexe (ist das der korrekte plural von T-Rex?) tanzen wild dazu. Was für eine Gaudi!

Wir gehen wieder zurück in Richtung Hotel. Als wir bei der Canal Street ankommen sehen wir, dass gerade eine Parade hier vorbei zieht. Wir suchen uns ein Plätzchen und schauen noch eine Weile zu. Keine 50 Meter von uns entfernt löst sich die Parade auf. 

Es war interessant anzuschauen, wie perfekt das organisiert war. Die Besatzungen von den Floats wurden direkt in ein Hotel geleitet; daraufhin wurden die prächtigen Wagen ein Stück weiter vorne geparkt.

Die Marschkapellen, wurden weiter geradeaus geleitet und verschwanden in einer Seitenstraße; die Reinigungsfahrzeuge, sammelten den Unrat vom Boden auf, Polizisten räumten die Absperrgitter beiseite. Blitzschnell war es (fast) so als wäre nichts gewesen.

Wir nutzten die Gelegenheit und fotografierten die leerstehenden Floats.

Es war schon nach neun Uhr und wir hatten nun echt Hunger. Zum Hotel waren es nur ein paar Schritte; allerdings mussten wir ein paar Sperren umgehen, die für die Schausteller der Parade errichtet wurden. Aber auch mit ein paar kleinen Umwegen schafften wir es letztendlich zum Ziel.

Im Ole Saint aßen wir zu Abend und ich laß es mir nicht nehmen wieder ein „Purple Hase“ Bier zu trinken. Hmmmmmmmmmm

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