Fairbanks – Chena Lakes

Wow, das war eine Nacht. Nun haben wir sie endlich erlebt, die Nordlichter. Ich kann es noch immer nicht glauben.

Das Wetter hier in Fairbanks ist unverändert. Wir haben strahlend blauen Himmel – warum also sollten wie hier weg? Übermorgen müssen wir unseren Camper in Whitehorse abgeben. Um uns herum ist das Wetter überall schlechter als hier. Wir bleiben in Fairbanks!

Die Nacht soll wieder klar werden – auch die Prognose für eine weitere Aurora-Sichtung ist hervorragend. Ob es noch einmal klappt? Mal sehen.

Wenn wir schon mal in in der Stadt sind, wollen wir mal wieder so richtig amerikanisch frühstücken. Hier in Fairbanks gibt es den „Northern Most Denny’s In the World“ – genau das richtige für zwei Hungrige!

Stefan bestellt den „All American Slam“, ich stopfe mir mit süßen Pfannkuchen den Bauch voll. Double Berry Breakfast heißt das ganze. Immerhin: gesundes Obst ist mit von der Partie 😉

Es ist gerade mal 9 Uhr als wir das Restaurant wieder verlassen. Wie fahren zum Pioneer Park.  Der ist zwar, wie schon das meiste hier in dieser Gegend „Closed For Season“ aber trotzdem kann man sich hier alles ansehen.

Pioneer Park ist ist ein Museum, Freizeitpark, Picknickplatz und ein Platz zum shoppen. Der Park wurde in 1967 am 100. Jahrestag nach dem Kauf Alaskas von Russland eröffnet. Der Park ist täglich frei zugänglich und beherbergt eine liebevolle Sammlung alter Häuser aus der ganzen Region. 

Ein kleines Museum erinnert an die Zeit des Goldrauschs und ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Es handelt sich dabei um eine Art Living Village, einer Goldgräberstadt, einem Unterhaltungsviertel und diverser Museen, wie das Alaska Native Museum, das Pioneer Air Museum oder das Tanana Valley Railroad Museum.

Mitten im Park steht ein riesiger Schaufelraddampfer, der ebenfalls besichtigt werden kann.

Wie begnügen uns damit einfach durch den schön Freizeitpark zu spazieren. Nach etwa einer Stunde gehen wir zurück zum Camper. Der benötigt dringend ein wenig Pflege.

Wir halten an der nächsten großen Tankstelle an. Ich frage nach ob es eine Dumping Station, sowie City Water gibt; ausserdem brauchen wir noch immer Propan – schließlich wollen wir nicht, dass nachts die Heizung ausfällt. 

Es ist nämlich ganz schön frisch draußen wenn die Sonne Feierabend macht. „Klar haben wir Propan“, meint die freundliche Angestellte der Tankstelle.

Dumpen kann man hier ebenfalls und Frischwasser gibt es auch. Beides ist sogar kostenlos. Wow – das ist ja mal ein toller Kundenservice. 

Wir erfahren auch gleich, dass das für alle Tankstellen der Marke „Sourdough Fuel“ gilt. Und das sagt man uns heute – am vorletzten Tag unserer Camper-Reise.

Nachdem unser Fahrzeug wieder startklar ist, machen wir uns auf den Weg zu Fred Meyer. Wir brauchen noch ein paar Brötchen für unterwegs, außerdem möchte unser Ford nun auch noch AdBlue. 

AdBlue ist eine Flüssigkeit die Dieselfahrzeuge zur Abgasreinigung benutzen. Normalerweise wird das vom Vermieter aufgefüllt und reicht dann für die ganze Reise – allerdings nicht wenn man über 8.000 Kilometer fährt.

Die Fred Meyer Supermärkte finde ich einfach klasse. Fast wie Walmart, ausser dass man hier zum Wocheneinkauf auch noch ein komplettes Wohnzimmer dazu packen kann.

Alles was wir brauchen ist schnell gefunden, noch ein bisschen bummeln, denn die Halloween Deko Artikel haben es mir angetan – Stefan verdreht schon die Augen. Ja ja – ich komm’ ja schon…

Wir erinnern uns daran, dass wir im Sourdough Café vor vier Jahren lecker gegessen hatten. Es ist perfekte Lunch-Zeit also wird das der nächste Programm Punkt.

Ich bestelle mir eine Rentierwurst im Speckmantel und Stefan nimmt das Tages Menü. War irgendwas mit Pasta und Parmesan – ich hatte erst gar nicht richtig hin gehört, denn ich habe mir recht schnell für das Würstchen entschieden.

Normalerweise nimmt Stefan immer Salat, wenn die Auswahl „soup or salad“ heißt. Heute mal was Neues ausprobieren meinte er und entschied sich für die Suppe. Die Suppe war eine Erbsensuppe. In dem graugrünen pampigen Etwas konnte man sogar den Löffel hineinstellen. Stefan schaute entsetzt – ich konnte mir ein Lachen nur schwer verkneifen.

Dann folgte das Hauptgericht. Ich bekam mein gebratenes Rentier Würstchen, eingepackt in kross gebratenen Bacon Streifen; Stefan bekam zerkochte Pasta, Gemüse aus der Dose und ne Scheibe Toastbrot mit einer Scheiblette drauf – das sollte dann wohl der Parmesan sein.

Das was dann wohl nichts…. Ich verschlag mein Rentier; Stefan stocherte in seinem Essen herum. Ich denke das Sourdough Café könne wir dann aus der Liste „Müssen-wir-wieder-hin“ streichen.

Die Aurora Forecast sagt, dass man heute bei den Chena Lakes die beste Chance hat Polarlichter zu sehen.

Die Chena Lakes Recreation Area gehört zur Gemeinde North Pole und ist ein Naherholgunsgebiet mit kleinen Seen, zwei Campingplätzen und einer Menge Picknick- und Fishing Aras.

Wir wollen uns das Gebiet anschauen und bei Tageslicht schon einmal sehen wo wir am Besten die Nacht verbringen.

Leider führt uns das Navi auf die falsche Seite der Lakes und wir landen in einer Art Wohngebiet mitten im Wald, was sich zudem als Sackgasse herausstellte. Also wieder zurück. 

Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Am Parkeingang ist ein nicht besetztes Kassenhäuschen, ein Zettel am Fenster informiert darüber, dass sie Season vorbei ist. Von nun an bis Mai kann man kostenlos hineinfahren und sogar campen – sofern das Wetter mitmacht. Allerdings gibt es keine Services mehr wie Duschen oder Toiletten.

Wir fahren das ganze Gebiet ab und sind beeindruckt von der unglaublich schönen Herbstlandschaft hier. Die bunten Bäume reflektieren im spiegelglattem Wasser. Ja – hier wollen wir heute die Nacht verbringen.

Jetzt ist es allerdings noch zu früh um da zu bleiben und so fahren wir zunächst erst einmal wieder zurück. Wenn wir schon in der Nähe sind, möchte ich noch einmal im Santa Claus House vorbei fahren.

Man kann von dort aus Briefe vom Weihnachtsmann in die ganze Welt senden lassen. Und ich möchte gerne dass unser Enkel einen bekommt. Er kann mit seinen 3 Jahren zwar noch nicht all zu viel damit anfangen, aber eine nette Erinnerung ist es allemal.

Santa selbst hat heute einen Off-Day (…der hat ein Leben!) und so gehen wir direkt zum einem Mitarbeiter und bestellen den „Santa’s Letter“. Dazu suchen wir einfach eine entsprechendes Thema aus – wir nahmen „Toddler“, was Kleinkind bedeutet.

Das mit dem Brief ist schnell erledigt: Adresse in ein Formular schreiben, den entsprechenden Brief auswählen und dafür bezahlen. Der Brief soll dann pünktlich zu Weihnachten ankommen.

Anschließend fahren wir noch einmal zurück nach Fairbanks. Ich habe schon oft in Reiseforen gelesen, dass es sich nicht lohnt in Fairbanks anzuhalten, dass Fairbanks nicht sehenswert wäre – aber das kann ich absolut nicht bestätigen. 

Es gibt nette Restaurants und nette kleine Geschäfte. Aber auch die Großen wie Walmart und Fred Meyer sind hier vertreten, so dass man auch die Vorräte entsprechend auffüllen kann. Oder man kann an einem verregneten Tag einfach ein wenig durch diese Vollsortiment Märtke bummeln – da gibt es immer was zu sehen.

Zudem fließt mitten durch die Stadt der Chena River, der in der Nähe des Flughafens im Südwesten in den südlich der Stadt fließenden Tanana River mündet. An den Flussufer ist es wunderschön spazieren zu gehen oder ein Picknick (dann aber eher im Sommer) zum machen.

Wir machen uns also auf den Weg nach Fairbanks. Es ist kurz vor 18 Uhr und wir möchten im Restaurant Cookie Jar (Tripadvisor Empfehlung) Abendessen.

Nur – wo ist das Restaurant?! An der angebenden Adresse sind lediglich zwei große Autohäuser. Wir wollen schon aufgeben und weiterfahren, dann sehen wir das doch recht große Gebäude in dem das Restaurant beherbergt ist. Ja und wie kommen wir da nun hin? Der breite durchgezogene Bordstein verhindert die direkte Zufahrt. Also nochmal zurück zu den Autohäusern.

Und tatsächlich finden wir dort am Parkplatz wo die ganzen zu Verkaufenden Fahrzeuge stehen ein kleines Schild mit Pfeil zu „Cookie Jar“. Einfach mitten durch die Autohändler fahren. Da muss man erstmal drauf kommen!

Also hinein in die Keks-Dose. Wir kommen in ein hübsch dekoriertes Restaurant. Gleich am Eingang ist eine Theke mit aller Art von Cookies, kleine Kuchen, Cupcakes und vieles mehr. Das alles sieht unglaublich lecker aus.

Eine freundliche Kellnerin führt uns zu unserem Tisch. Ich bestelle mir einen Checken Caesar Salad, Stefan bestellt Stromboli – eine art Pizza Schnitte. Alles ist sehr schön angerichtet und schmeckt sehr sehr lecker. 

Nach dem Essen fahren wir zurück zu den Chena Lakes – wir sollten es noch schaffen rechtzeitig zum Sonnenuntergang dort zu sein. Vielleicht kann ich noch das ein- oder andere hübsche Foto machen.

Im Abendlich sieht es hier noch viel schöner aus als heute Mittag. Was für ein schöner Ort. Wir beschließen nicht zu einem der Campgrounds zu fahren, sondern direkt an einem Parkplatz am Seeufer zu übernachten. Die Aussicht ist einfach grandios.

Zuerst mache ich ein paar Fotos von der Park Boat Launch aus. Dann gehen wir noch schnell hinüber zur Swim Beach, dort können wir nach Westen – also direkt zur untergehenden Sonne sehen.

Bis jetzt haben wir keinen Menschen hier gesehen – jetzt aber werden wir Zeuge eines ziemlich kuriosen Foto-Shootings.  Eine junge, sehr hübsche Frau im knappen Bikini liegt halb im Wasser und wird von einer anderen Frau fotografiert. 

Das arme Fotomodell jammert die ganze Zeit weil das Wasser wohl saukalt ist. Aber ich bin mir sicher dass das spektakuläre Aufnahmen geworden sind, denn die Kulisse ist atemberaubend.

Die Sonne ist weg – auch die beiden Frauen machen sich frierend auf den Weg zu Ihrem Auto. Kurz darauf fahren sie weg. Wir sind alleine. Wir haben die ganzen Chena Lakes tatsächlich für uns ganz alleine. Ab Mitte September ist Alaska im Winterschlaf.

Wir gehen zu unserem Camper und machen es uns in der kleinen Sitzecke gemütlich. Ich stöbere ein wenig im Internet, Stefan kümmert sich schonmal um die Backups der heute gemachten Fotos.

Es ist gerade mal 21 Uhr als er kurz nochmal was aus dem Truck holen will. Er ruft mich nach draussen und meinte „schau mal in den Himmel – ich glaube da tut sich was“. 

Ich schnappe den Foto und wir gehen vor zum Ufer. Wir sehen einen zarten weißen Schleier am Himmel. 

Der Schleier beginnt zu tanzen, verdichtet sich und beginnt grünlich zu schimmern.Viel deutlicher als gestern: Nordlichter vom Feinsten. Und das auch noch mit einer perfekten Reflektion im spiegelklarem Wasser.

Magisch und geheimnisvoll – so lässt sich dass was hier passiert am besten Beschreiben. Wir von Zauberhand werden Linien, Bögen und Kreise in den Himmel gemalt. Die Aurora bewegt sich anmutig, zieht wie ein Sternenschweif über den Himmel, dreht Pirouetten und tanzt.

Mit eigenen Augen dieses ungeheure Naturphänomen zu sehen, gehört sicherlich zum eindrücklichsten Erlebnis auf unseren bisherigen Reisen.

Wenn ich heute – schließlich sind wir ja schon fast am Ende unserer Reise hier im Norden – ein Fazit dieser Reise mache muss ich sagen: 

Wie sollen wir das in den letzten 2,5 Wochen erlebte denn noch toppen können? Der Zeh im Polarmeer, Grizzlys, Adler, Elche sowie unbeschreibliche Landschaften – und zum Abschluss noch in zwei Nächten die faszinierenden Nordlichter – mehr geht eigentlich nicht. 

Das Spektakel am Himmel geht noch bis 23 Uhr. Ich mache hunderte von Fotos – und manchmal stehen wir einfach nur da und staunen. 

Überglücklich gehen wir gegen Mitternacht ins Bett.

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